Unsere Autor*innen

Nachfolgend stellen wir unsere Autor*innen mit Blick auf Vita und Werk kurz vor:

An der Ostsee zu Hause und doch weit gereist, verbindet dieses Autor*innenenpärchen nordische Klarheit und pfälzische Volkstümlichkeit. In ihrer Lyrik spiegeln sich die Bedingungen des modernen Lebens im 21. Jahrhundert, Erfahrungen der Großstadt und des Landidylls. Das Werk changiert zwischen ironischer Distanz und Identifikation mit unserer Welt – und kann von den Leser*innen immer wieder neu entdeckt werden!

Aufgewachsen im ländlichen Süddeutschland zog es Cleo Winterstein und Louis Leclerc für den ersten Job in die Stadt, wo sie im jeweils anderen die große Liebe fanden. Einige Wochen, Monate und viele Gedanken später, entscheiden sie sich, Alpenvorland, bayrischer Wirtshauskultur, Brezen und Obazda, Familie und Freunden den Rücken zuzukehren. In ihren Gedichten thematisieren Cleo Winterstein und Louis Leclerc die Phase des Abwägens und Entscheidens, des Zurücklassens und Ankommens, der nostalgischen Erinnerung und der Vorwärtsgewandtheit. Die Form der Haikus bietet ihnen die Möglichkeit, das Umbrechen in ihrem Leben ins Bild zu setzen.

Erst spät in ihrem Leben hat Claire Wolkenschön das literarische Schaffen als Möglichkeit für sich entdeckt, dem Berufsalltag und Stress zu entkommen. Als Ärztin ist sie zwischen Patientengespräche, Notfälle und routinemäßigen Eingriffen, Wochenendschichten und täglichem Leisten des Hypokratischen Eids gefesselt. Gespräche mit Freunden und Familien, Theater- und Konzertbesuche helfen ihr, zu ihrem Beruf Abstand zu finden. Doch die Abende allein in der Stille mochten sich lange Zeit nicht recht produktiv nutzen zu lassen. Die Gedankenfetzen, die ihr am Abend durch den Kopf gingen, schrieb sie anfangs notizenhaft nieder. Daraus entwickelte sich nach und nach eine feste Form, die ihr Struktur und Halt gab, ihre Gedanken am Abend zu sortieren – die Haikus waren geboren.

„Ein Gedicht für jeden Tag“ übertitelt Kasimir Dorn seine Spiegelgedichte. Sie regen beim Blick in den Spiegel nicht nur Selbst- und Fremdreflexion an oder handeln von den Gedanken beim Blick in den Spiegel, wie wir es von den Spiegelgedichten Annette von Droste-Hülshoffs, Paul Flemings, Stefan Georges, Friedrich Hebbels und anderen kennen. Nein, Dorns Gedichte sind Spiegelgedichte, achsensymmetrisch angeordnete Strophen. Ihr Reiz besteht darin, dass die in der ersten Strophe gesetzte Perspektive in der zweiten hinterfragt, verkehrt oder neu gedacht wird. Dorns Spiegelgedichte zeigen uns Tag für Tag, dass der Blick auf Welt immer mindestens zwei Seiten hat. Und damit die ganze Welt sie versteht, sind sie auf Englisch verfasst.

Professionell beschäftigt sich Valentina Radetzky mit der Analyse und Interpretation von Literatur, mit ihrer Vermittlung und gesellschaftlichen Funktion. Zur Autorin wurde sie eher durch Zufall. Ihre Haikus stellen Epitexte großer Romane, Dramen und Gedichte in Form von fragmentarisch wirkenden Haikus dar. Das, was ihr bei der Lektüre und Interpretation an Assoziationen, Gefühlen und Gedanken durch den Kopf geht, schreibt sie nieder. Damit sie sich aber nicht in ihrer Gedankenwelt verliert und vom Primärtext zu sehr abschweift, entschied sie sich, nicht mehr als drei Zeilen zu füllen. Vom literarischen Wert ihrer Epitexte in Haikuform überzeugt, konnten wir sie überzeugen, ihre Texte hier zu veröffentlichen.

In einer weitläufigen Auenlandschaft schöpft Maria Markowski ihre kreative Geisteskraft. Ihre Gedichte spiegeln nicht nur die wechselnde Stimmung vom frühen Morgen bis spät in die Nacht wider, sondern auch die dynamische Bandbreite von den Jahresanfängen bis zum Jahresende. Der geneigte Leser finden Variationen vor in Thema, Stimmung und Sprachreichtum. Die einzige Konstante aber stellt die festgefügte Form dar, die den Gedichten und wohl auch ihr eine Spur von Beständigkeit schenkt.

Die Gedichte von Tumleh Ellak sind geprägt von Reichtum, nicht im materiellen Sinne, sondern hinsichtlich Themen, Stimmungen, Satzbau. Die Haikus spiegeln auf subtile Weise die Vielfalt seines Lebens wider: Sein beruflicher Werdegang war geprägt von wenig wöchentlicher Kontinuität, verlangte jedoch stets Flexibilität. Sein Leben war bunt, bewegt und oft chiffrierend – so wie seine Gedichte.

Texte, die eine Antwort bereithalten, Texte, die die eine Moral formulieren, Texte, die belehren, Texte, die zum Nachsinnen einladen. All dies sind Gero von Schröters Gedichte nicht: Sie verweigern die eine Lektüre, nichts gibt Richtung oder Pfad vor. Vielmehr scheinen Codes versteckt zu sein, die, wenn man sie glaubt entschlüsselt zu haben, doch wieder den Weg versperren. Gero von Schröters Gedichte sind offen für individuelle Interpretationen und Zugänge, so wie wir es in unserer diversen Gesellschaft im 21. Jahrhundert benötigen.

Die wenig ausgeprägte grammatikalische Struktur verleiht den Versen eine Freiheit, die Gedankensprünge ermöglicht. Es ist, als würde Walburga Albert die Gedanken in einem freien Tanz durch die Zeilen schweben lassen, ohne sich von den Grenzen formaler Ordnung einschränken zu lassen. Hier entsteht Poesie, die nicht nur durch ihre Worte, sondern auch durch den Raum zwischen den Zeilen spricht.

In den verschlungenen Wegen der Strukturlosigkeit und Sinnlosigkeit entfaltet sich ein Kaleidoskop der Gedanken, das Auguste Schalks Schaffen durchzieht. Ihre Haiku-Gedichte sind wie ein Spiegel der modernen Existenz, in der klare Linien und feste Fundamente zu verblassen scheinen. Hier ist die Struktur nicht ein Gefängnis, sondern eher ein offenes Feld, auf dem die Ideen in alle Richtungen streben. Auguste Schalks Gedichte stellen Fragen, ohne klare Antworten zu geben, und spielen mit Nuancen und Graustufen, während sie den Leser in einen Raum der offenen Interpretation entlassen.